Wiener Drogenpolitik 1970 bis 2005: Außen- und Innenansichten
 


Authors: Irmgard Eisenbach-Stangl, Arno Pilgram, Christine Reidl

Vienna 2008
Policy Brief August 2008

7 pages

Die Studie untersucht die Entwicklung der Wiener Drogenpolitik im Zeitraum von 1970 bis 2005. Die Wiener Drogenpolitik wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet: Zum einen wird aus einer "externen", wissenschaftlich-objektiven Perspektive die Entwicklung einer regionalen Drogenpolitik und ihres nationalen Rahmens - etwa der Drogengesetze und der Aktivitäten der Exekutive - während einer Phase der "Europäisierung" von Drogenkontrollen untersucht. Hierbei wird auf schriftliche Dokumente und Statistiken zurückgegriffen. Anhand der Ergebnisse dieses Erhebungsschrittes wurden fünf Entwicklungsphasen der Wiener Drogenpolitik identifiziert.

Zum anderen wird die Wiener Drogenpolitik aus der subjektiven Perspektiven zweier Gruppen von Betroffenen untersucht. Um die "Innenansichten" zu erfassen, wurden Interviews mit Professionellen aus den Bereichen der Verwaltung, Behandlung und Betreuung, Prävention, Sicherheitsexekutive, Justiz und Strafvollzug, die im Untersuchungszeitraum mit der Umsetzung der Wiener Drogenpolitik beschäftigt waren durchgeführt (43 Interviews mit sogenannten "drogenpolitischen AkteurInnen"). Die zweite Gruppe von Befragten bestand aus "AdressatInnen" von Drogenpolitik: Sie setzte sich aus DrogenkonsumentInnen mit unterschiedlichen Erfahrungen mit Drogenkontrollen zusammen und aus Angehörigen von DrogenkonsumentInnen (46 Interviews).

Die Entwicklung der Wiener Drogenpolitik ist als Erfolgsgeschichte einer regionalen Drogenpolitik in Europa zu sehen, die auf der organisatorischen und thematischen Zusammenfassung der der drogenbezogenen Aktivitäten der Stadt beruht ("Querschnittspolitik") und auf der Professionalisierung der Drogendienste, mit dem Ziel der sozialen Integration. In den letzten Jahren wurden allerdings die Grenzen der Wiener Drogenpolitik sichtbarer. Einerseits mangelt es der Gemeinde an Einfluss auf die Gestaltung und Umsetzung der nationalen Drogenpolitik und ihr fehlt die Befugnis, die Aktivitäten der drogenpolitischen Organisationen auf dieser Ebene zu bestimmen. Andererseits kann sie nicht in alle Lebensbereiche eingreifen, die die Drogensituation bestimmen: Die lokale Drogenpolitik kann etwa Armut, Arbeitslosigkeit und Bildungsdefizite kaum beeinflussen. Es wäre daher wünschenswert, dass Entscheidungsträger auf nationalen und supranationalen Ebenen einen holistischen Zugang zur Drogenpolitik entwickeln und Drogenprobleme als Teil umfassender und grundlegender gesellschaftlicher Probleme betrachten.


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Wiener Drogenpolitik 1970 bis 2005. Außen- und Innenansichten
pdf, 626 KB, 2008-08-27